News & Views 2006

70% - 95% Floprate bei neuen Produkten

Dr. Hans-Joachim Körber, Vorstandsvorsitzender der Metro AG, nannte "Innovationen ein Schlüsselelement, um die Verbraucher anzuziehen und so den Umsatz der Branche zu erhöhen". Gleichzeitig kritisierte er, dass viele neue Produkte nur "sogenannte Innovationen" seien, die bei den Konsumenten scheitern. Zwischen 70 und 95 Prozent aller neuen Produkte kämen bei den Kunden nicht an. (ECR Europe Konferenz 2006, 29.-31.05.06, Stockholm).

4 rote Ecksteine .... auf dem weiten Feld der Innovation

Ein anregendes 4-Fragen-InterView mit Thomas Bungartz, Deutsche Telekom AG, Experte für Innovationsmanagement

1. Was ist für Sie die größte Innovation der letzten Jahre?
Das Internet - die ganze Welt des Wissens bei mir Zuhause.

2. In welchen Bereichen gibt es in Deutschland den größten Innovationsbedarf?
Innovation ist die Triebfeder von Veränderung und Wachstum. Deutschland kann nur durch sein Know-how auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben. Daher sind Innovationen in allen Bereichen - Produkte & Dienstleistungen / Services, Prozesse etc. - notwendig, als auch in allen Branchen. Meines Erachtens wird das Thema "zunehmende Alterung der Gesellschaft" - trotz ihres hohen Marktpotenzials - hierbei nur unzureichend berücksichtigt.

3. Wie kann die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen verbessert werden?
Als Rahmenbedingungen für Unternehmen sehe ich insbesondere einen massiven Abbau von Bürokratie, Stärkung der unternehmerischen Freiheit und eine solide Qualifizierung junger Menschen.
Innerhalb der Unternehmen steht an erster Stelle der Mut zu Veränderung sowie Forderung und Förderung von mehr Eigenverantwortung. Diese oftmals als "unternehmerisches Denken und Handeln im eigenen Unternehmen" geäußerte Forderung bedarf jedoch des Einräumens entsprechender Freiheitsgrade. Viele Unternehmen fokussieren sich zu sehr auf eher kurzfristige Ziele und setzen hierauf ausgerichtete Strukturen, Prozesse und Steuerungsmechanismen ein, die letztendlich die Innovationskultur und Innovationsfähigkeit eines Unternehmens prägen.
Will - oder eher muss - ein Unternehmen innovativer sein, reicht es jedoch nicht aus, ein oder zwei Dinge anders zu machen. Vielmehr müssen in der Regel alternative Ansätze integriert werden. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Methoden, Tools und Strukturierungsansätzen, die sich in der Praxis bewährt haben, aber auf die konkreten Bedürfnisse des Unternehmens adaptiert werden müssen. Das Management muss aber auch den Mut haben, sich solchen Veränderungen zu stellen. Denn letztendlich geht es ohne ausreichende Innovationsfähigkeit um das Überleben eines Unternehmens in einem zunehmend globalisierten Markt.

4. Wodurch lassen Sie sich inspirieren, wenn Sie neue Ideen suchen?
Architektur und Design, Stöbern im Internet, Abschalten beim Segeln, Nordic Walking oder Diskussion mit Freunden.

Top-Thema: Customer Insight Management

Alle Unternehmen reden von Kundenorientierung. Sie erheben den Anspruch, ihre Kunden zu kennen und ihr Denken und Handeln stets an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kunden auszurichten. Doch wie viele Führungskräfte und Mitarbeiter eines Unternehmens haben – mit Ausnahme des Vertriebs – je einen leibhaftigen Kunden zu Gesicht bekommen? Und in welchem Umfeld und mit welcher Intensität? Wie aber will ich mich an jemandem orientieren, den ich gar nicht kenne? Der Schreibtisch war schon immer ein gefährlicher Platz, die Welt zu beobachten.

"Customer Insight Management" hat eine hohe Relevanz für Innovation, Marketing und Vertrieb. Es ist ein erfolgreicher Weg, den Kunden näher zu kommen. "Insight" bedeutet Einblick, Einsicht, Erkenntnis. Doch vor dem Einblick in die Kunden muss im Unternehmen die Einsicht vorhanden sein, dass es hier einen großen Handlungsbedarf gibt. Diese selbstkritische Erkenntnis fällt vielen Managern schwer, die standhaft der Überzeugung sind, ihre Kunden zu kennen.

Noch so viele Gespräche mit Kunden oder umfassende Kundenbefragungen reichen nicht aus. Statt eines tieferen Eintauchens in die wirklichen Wünsche und Bedürfnisse und das reale Verhalten der Kunden bewegen wir uns damit nur an der Oberfläche. In der Phase "Deep Dive" unserer "Black Pearl Innovation Strategy" unterscheiden wir zwischen Schnorcheln an der Wasseroberfläche und tiefen Tauchgängen zu den "Schätzen der Erkenntnis", die stets auf dem Grund liegen.

Nur wenige Unternehmen praktizieren "Customer Insight Management" auf hohem professionellem Niveau. Ein Best-Practice-Beispiel ist Henkel in Düsseldorf, die hierfür vor vielen Jahren eine eigene Abteilung eingerichtet haben. Lesen Sie hierzu das exklusive 4-Fragen-InterView mit Jens Bode, Leiter der Abteilung „Consumer Insight Management“.

Best Practice: Consumer Insight Management

Exklusiver ExpertView von Jens Bode, InnoCoach und Leiter der Abteilung "Sensory Lab / Consumer Insight Management U-W" der Henkel KGaA, Düsseldorf

1. Mit welchen neuen Methoden gewinnen Sie Einblick in das Denken und Handeln von Konsumenten?
Wir haben im Jahr 2000 "Consumer Insight Management" als eigenständigen Bereich innerhalb der internationalen Marktforschung implementiert. Rückblickend waren wir meiner Meinung nach eines der ersten deutschen Unternehmen, die einen systematischen Prozess zur permanenten Generierung von Insights aus erster Hand, d. h. im persönlichen und direkten Kontakt zu unseren Kunden, etabliert haben. Welche Methoden nutzen wir? Neben Klassikern wie Home Visits, Round Tables "arbeiten" wir gemeinsam mit unseren Kunden, d. h. innerhalb unseres Marktforschungs- und Innovationsprozesses erarbeiten wir auf Basis von Consumer Insights Produktoptimierungen aber auch konkrete Konzeptideen. Insights sind für uns wie Puzzleteile. Es können direkte Beobachtungen in den Haushalten sein, Reklamationen und Wünsche. Es ist die Sprache, wie etwas beschrieben wird, Verhaltensweisen und Motivationen, aber auch Trends. Eigentlich nutzen wir jedes Medium – vom direkten persönlichen Kontakt in den Haushalten über Tagebücher und Workshops bis hin zum Internet.

2. Welche neuen Erkenntnisse haben Sie hierbei überrascht und Ihnen ein anderes Bild vom Verbraucher vermittelt?
Bei jedem Kontakt gibt es Aha-Erlebnisse, mal größere und mal eher Kleinigkeiten. Etwas Offensichtliches hat wirklich einen Lernprozess ausgelöst. Unsere Kunden sind Profis in ihrem Gebiet und sie machen ihre täglichen Jobs, ihre Haushaltsarbeiten so, wie sie es für richtig halten. Ich denke, wir haben uns noch deutlicher auf die Kundensprache und Verhaltensweisen eingestellt. So banal es klingen mag, aber "The Consumer is still the Boss". Da können wir intern lange diskutieren. Wenn er z. B. "anders" dosiert oder ein Konzept nicht "verstanden" hat, müssen wir uns selbst hinterfragen, einen Schritt oder auch zwei zurückgehen und wieder neu anfangen. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Weg eine gute Investition ist.

3. Sind Konsumenten innovativ? Können Sie von ihnen überhaupt neue Erkenntnisse für zukünftige Produkte gewinnen?
Das ist eine typische Killerfrage, die bei internen und externen Präsentationen unserer Prozesse gerne gestellt wird. Die Antwort: "Jein". Wenn wir Haushalte besuchen, Kameras einbauen oder gemeinsam mit unseren Kunden kreativ arbeiten, erwarten wir nicht, dass wir eine vollständig ausgearbeitete Formel für die nächste Innovation erhalten. Es sind oftmals die kleinen Dinge, die genannt werden, die zwischen den Zeilen stehen oder die uns bei bestimmten Verhaltensweisen oder erkennbaren Motiven auffallen. Wir verstehen uns eher als eine Art Anwalt des Konsumenten und es ist unsere Aufgabe, diese "Insights" intellektuell zu füllen, zu kombinieren und zu transferieren. Der einfachste Weg der Übersetzung ist immer noch eine Mischung aus Offenheit und organisationsübergreifender Diskussionskultur. Generell gehört es heute zur Innovationskultur, Konsumenten aktiv einzubeziehen. Und wer seine fünf Sinne plus Bauchgefühl achtsam und ohne Vorbehalte einsetzt, dem fällt immer etwas auf – täglich.

4. Wie stark sind Führungskräfte und Mitarbeiter von Henkel in das intensive Kennenlernen von Verbrauchern einbezogen?
Im Bereich "Home and Laundrycare" sehr stark! Natürlich haben auch wir einen gewissen Lernprozess gehabt. Alle eher ungewöhnlichen neuen Methoden werden hinterfragt und sie brauchen ihre Zeit, um zu reifen. Wir haben unsere Methoden immer wieder optimiert und wir sind nach wie vor permanent auf der Suche nach neuen, ungewöhnlichen und kreativen Wegen. Alle Kollegen rund um das Produkt sind eingebunden, sei es intern wie das Marketing, die R&D und unsere Marktforschungskollegen, extern wie unsere Agenturen, national und immer mehr international alle Hierarchien umfassend, von unseren Trainees bis zum Top Management.

Zukunftspreis 2006 an Dr. Klaus Zumwinkel

Auf der Zukunftspreisverleihung am 01.12.2006 in Bonn erhielt Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post World Net, den "Zukunftspreis 2006" der Initiative Forum Zukunft. Gewürdigt wurde seine Managementleistung, die Deutsche Post von einem schwerfälligen Staatsbetrieb zur weltweit führenden Logistik-Gruppe zu entwickeln. Unter dem Qualitätsanspruch "First Choice" gilt es nun, nach dem größten auch das beste Logistik-Unternehmen der Welt zu werden. In einem Grußwort betonte Showmaster und Post-Testimonial Thomas Gottschalk die außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit Zumwinkels, der von seinen Mitarbeitern nicht nur geschätzt wird, sondern bei ihnen auch sehr beliebt ist. Ein herausragendes Beispiel für exzellentes Business Development verbunden mit einem respektvollen Führungsstil.

5 Jahre "Klimek-Kayser-Stiftung Mensch und Innovation"

Am 15.11.2001 wurde die "Klimek-Kayser-Stiftung Mensch und Innovation" von Lutz Klimek und Gerda Klimek-Kayser gegründet. Zweck der gemeinnützigen Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung zur Entwicklung von Innovationen auf den Gebieten der Gesundheit, der Bildung und Erziehung sowie im sozialen Bereich. Die Innovationen sollen einen bedeutsamen und nachhaltigen Nutzen für die betroffenen Menschen haben und vor allem Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Gute kommen.

Da wir die Zukunft nicht durch den Rückspiegel steuern können, konzentrieren wir unser Denken auf die vor uns liegende Zeit. Und für das Jahr 2007 haben wir uns einiges vorgenommen.

Fortsetzen werden wir die 2002 begonnene Unterstützung des Forschungsprojekts der Universitäts-Kinderklinik Göttingen zur "Proteintherapie beim Rett-Syndrom". Dieses Projekt hat das Ziel, mit einem neuen und einzigartigen Verfahren MeCP2-Proteine in das Gehirn zu transportieren und hierdurch eine spürbare Verminderung der schweren geistigen und körperlichen Krankheitssymptome bei den betroffenen Rett-Mädchen zu erreichen.

Ein Förderungsschwerpunkt werden in Zukunft innovative Therapiekonzepte für junge Menschen mit psychotischen Erkrankungen sein. Ein Erfolg versprechendes Beispiel für an Schizophrenie erkrankte Jugendliche ist das wissenschaftlich begründete Modellprojekt "Trialog" in Essen. Nach stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik werden die jungen Menschen in einer pädagogisch-therapeutischen Wohngruppe auf ein späteres Leben in Selbständigkeit vorbereitet.

Außerdem starten wir im nächsten Jahr das Innovationsprojekt "Neue Ideen für die Zukunft unserer Kinder". Ziel ist die Entwicklung innovativer und erfolgreicher Ideen zur Verbesserung der Zukunft unserer Kinder. Ein Team aus erfahrenen und engagierten Experten des "Kompetenz-Netzwerks Innovation" von Klimek.Management entwickelt neuartige Konzepte mit großer Innovationshöhe durch Anwendung der praxisbewährten Innovationsmethode "Black Pearl Innovation Strategy".

Überfällig ist eine Neugestaltung der Stiftungs-Website. Im ersten Halbjahr werden wir mit einer professionellen Webdesign-Agentur einen neuen und attraktiven Internetauftritt entwickeln.

Profi-Tipps für Verkäufer

Wenden Sie bei Problemen mit Kunden die ZAKLA-Technik an: Zuhören – Anteilnehmen – Klären – Lösung anbieten – Aktion erbitten.
(Rolf Schreiter, Motiv-Training, Darmstadt)

Versprechen Sie weniger, halten Sie mehr. Statt das Blaue vom Himmel zu versprechen, begeistern Sie Ihre Kunden mit Über-Erfüllung ihrer Erwartungen.
(Rolf Schreiter, Motiv-Training, Darmstadt)

Aus klugen Köpfen!?

"Bei der Markteinführung der neuen Produktgeneration verbleibt ein erhebliches Risiko - aber auch eine nicht unerhebliche Chance."
(aus dem Controllingbericht eines renommierten Unternehmens zu einem Innovationsprojekt)

"Menschen denken immer gleich, aber sie erwarten andere Ergebnisse."